© Reza Hossin Abadi

Der AK Friedenswissenschaft informiert:
Ver.di-Tagung Clara Sahlberg

Vom 30.05. - 01.06.14 fand in Berlin die jährliche ver.di-Kulturtagung im Bildungs- und Begegnungszentrum Clara Sahlberg statt.
Unter dem Thema: „Das Denken der Zukunft muss Kriege unmöglich machen.“ (Albert Einstein) - Der Krieg in Kunst, Literatur und Wissenschaft, trafen sich ca. 100 Aktive aus Gewerkschafts- und Friedensbewegung zur gemeinsamen Diskussion über den aktuellen Stand der Bewegung und für die Erarbeitung weiterer Handlungsmöglichkeiten.
Im Angesicht von 100 Jahre Beginn des 1. Weltkriegs und 75 Jahre Beginn des 2. Weltkriegs und deren historische Konsequenzen waren viele Referenten und Referentinnen geladen, unter anderem Prof. Dr. Jost Hermand von der Universität Madison/Wisconsin und Humboldt Universität Berlin zu „Imperialistische Stimmungsmache vor 1914“.
Die Sängerin Anna Haentjens gestaltete einen eindrücklichen Kulturbeitrag am Samstag Abend, wo sie – mit geschichtlicher Einordnung – kriegsverherrlichende und propagandistische Lieder aus dem 1. Weltkrieg, sowie vertonte Texte gegen den Krieg, z.B. von Kurt Tucholsky, interpretierte.

Die Tagung war bestimmt durch die positive Qualität einer neuen gemeinsamen Befürwortung des Humanismus und dem Lernen aus der Geschichte – gegen imperialistische und profitorientierte Kriegsinteressen für eine Kultur des Friedens zu wirken.
Anhand von Vorträgen, Literaturdiskussionen – unter anderem von Erich Fried und Heinrich Böll – und gezeichneten Bildern von jungen Soldaten während des 1. Weltkrieges wurden die Schrecken und Grausamkeiten der beiden Weltkriege, mit besonderem Fokus auf den 1. Weltkrieg, herausgearbeitet und die Absurdität verdeutlicht, die im starken Gegensatz zur beschönigenden und ruhmpredigenden Helden- und Kriegspropaganda Anfang des 19. Jahrhunderts stehen.
Denn zu keinem Zeitpunkt der Geschichte und auch 1914 gab es eine alle Bevölkerungsschichten übergreifende Kriegsbefürwortung. Die Bevölkerung war nicht aus sich heraus kriegslüstern, sondern sollte durch Propaganda vergiftet werden.
In diesem Sinne sind wir 2014 weiter als vor 100 Jahren. Die Mehrheit der Intellektuellen, welche sich damals massiv an der Kriegshetze beteiligt hat, teilt aktuell die Forderung nach einer weltweiten friedlichen Konfliktlösung. So gewinnt z.B. die Zivilklauselbewegung bundesweit an den Hochschulen – Wissenschaft nur für zivile Zwecke – (auch an der HAW durch den AK Friedenswissenschaft) erheblich an Bedeutung.
Besonders gegen Geschichtsklitterung und Verschleierung der Kriegsursachen und -interessen ist heute das Wissen darüber, dass Kriege für Profit- und geostrategische Interessen vorbereitet und geführt werden in der Gesellschaft weit verbreitet, was unter anderem Grundlage für die konsequente mehrheitliche Ablehnung von militärischen Auslandseinsätzen ist.

Für diese ermutigende Perspektive gilt es die Aktivitäten in Gewerkschaften, Friedensbewegung und auch in den Hochschulen aufklärend gegen Kriegsursachen und für eine soziale, friedliche und kulturelle Weiterentwicklung der Gesellschaft zu erweitern.
Um diese Vorhaben zu diskutieren und zu konkretisieren, plant der AK Friedenswissenschaft im Bündnis mit Studierendenbewegung, Wissenschaftsinitiativen, Gewerkschafts- und Friedensbewegung im Herbst – vom 24.-26.10.2014 – einen bundesweiten Zivilklauselkongress an der HAW. Gemeinsam wollen wir die Möglichkeiten einer Friedenswissenschaft als Leitwissenschaft aller Wissenschaftsdisziplinen gegen die aktuell verstärkte BWLisierung der „Unternehmerischen Hochschule“ herausarbeiten und Handlungsperspektiven entwickeln